Besuch bei Freunden in Skaudvile

20 Jahre lang haben sie jedes Jahr Hilfsgüter und Spendengelder nach Litauen gebracht. Ganz privat, mit dem Wohnmobil plus Anhänger und einem Kleinbus mit Anhänger. Mit zunehmendem Alter hat Friedel Weber jetzt nicht mehr die Kraft für derartige Unternehmungen: 4000 km in zwei Wochen. Nun überlegen die Partner: Wie bleiben wir verbunden? Wie kann es weitergehen? Pfarrer Micha-Steffen Stracke ist optimistisch.

Friedel Weber war so etwas wie der Motor der Partnerschaft zwischen der evangelischen Gemeinde in Vielbrunn und der lutherischen Kirche in Skaudvile, einem kleinen Ort im südwestlichen Litauen. „Es war immer ein Besuch bei Freunden,“ sagt Friedel Weber. Dort hat er die Lehrerin Margita Bertuliene kennengelernt, die gut deutsch spricht und zum Übersetzen immer dabei war. Sie begleitete die Gäste auch an touristische Ziele wie an die Memel, nach Klaipeda oder an Kurische Nehrung.

Weitere Vielbrunner schließen sich der Partnerschaft an

Weitere Familien aus Vielbrunn haben sich mit ihren Wohnmobilen den Hilfstransporten und Begegnungen angeschlossen. 2018 schrieb Elisabeth Hofmann: „Es war eine tolle Zeit und eine Bereicherung für mich. Großartige Menschen habe ich kennengelernt, mit viel Menschlichkeit und großer Gastfreundschaft. Wunderbar.“ 80 Evangelische leben als Minderheit im 200-Einwohner Ort Skaudvilė. In ganz Litauen leben 20.000 Lutheraner und 7.000 Reformierte. Von den 2,7 Millionen Litauern sind 77 Prozent römisch-katholische Glaubens.

 

2015 schrieb Friedel Weber in seinem Reisebericht: „Der sehr herzliche Empfang rührte uns wie jedes Mal fast zu Tränen. Es war der komplette Kirchenvorstand zum Ausladen angetreten und so konnten die über 100 Kartons mit Bekleidung und Schuhen schnell in der Kirche verstaut werden.“ Der AWO Ortsverein hat mit Fahrzeugen und Geldspenden kräftig mitgeholfen, ebenso wie örtliche Geschäftsleute.

Die Fahrtroute führte von Vielbrunn nach Luckau im Spreewald, dann über die polnische Grenze nach Torun an der Weichsel, weiter nach Mikolajki in den Masuren und anschließend über die litauische Grenze nach Skaudvilé und weiteren Zielen. Beladen waren die Wagen voller Kisten mit Kleidern sowie Geh-Hilfen, Rollstühlen und Hygieneartikeln wie Windeln & Seife, die die Vielbrunner auch in ein Seniorenheim brachten.

Wie die Partnerschaft weiterlebt

Pfingsten 2022 verabschiedete Friedel Weber sich: „Die gewachsene Freundschaft und die Gewissheit ein Teil der Skaudviler-Familie sein zu dürfen, lässt mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen.“ Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Daiva Bakšienė, überreichte für Friedel Weber für die Vielbrunner ein Dankesschreiben des Bischofs und sprach von gewachsener Freundschaft.

Und Pfarrer Edikas Šulcas meinte, sie hätten viel Hilfe und Unterstützung bekommen und hofften auch weiterhin darauf. „Dennoch sind wir jetzt auch in der Lage anderen Länder, wie der Ukraine, zu helfen.“ Karin und ihr Mann Friedel Weber bekamen für ihr Engagement einen von der Gemeinde selbst kreierten Pokal aus Glas überreicht. Für Pfarrer Micha-Steffen Stracke ist es keine Frage, dass die Partnerschaft weitergeht, „Wir werden uns auf jeden Fall weiterhin besuchen, und zwar gegenseitig.“ Denn der persönliche Kontakt sei oft wichtiger als die materielle Hilfe. Das beste sei es, von einander zu wissen und für einander zu beten, sagt Stracke.


Weitere Informationen zur Partnerschaft zeigt die Internetseite der evangelischen Kirchengemeinde Vielbrunn