Kuba

Jahresprojekt der Frauen 2023

In den letzten vier Jahren erlebte Kuba eine dramatische Verschlechterung seiner Wirtschaftslage. Die US-Regierung erließ im Jahr 2019 Sanktionen, die die Rücküberweisungen von ausgewanderten Kubanern in ihre Heimat erschwerten. Damit verringerte sich für viele Familien ihr Einkommen. Außerdem brach mit der Corona-Pandemie der Tourismus ein, die Haupteinnahmequelle des sozialistischen Staates für Devisen. Doch ohne Devisen kann der Staat keine Nahrungsmittel, Medizin und Treibstoff mehr importieren. Am schwersten traf es diejenigen, die keinen Zugang zu Devisen hatten und auf die staatliche Grundversorgung angewiesen waren.

Auf Grund des Mangels und der Perspektivlosigkeit entschieden sich noch mehr Menschen als je zuvor für die Auswanderung, meist über Nicaragua, wofür seit November 2021 kein Einreisevisum mehr nötig ist. Von dort versuchen sie weiter in die USA zu gelangen. „Allein in der letzten Woche haben zwei tragende Säulen unserer Gemeinde das Land verlassen“, erzählte Pfarrerin Liudmila Hernández aus Havanna im Frühjahr 2022. „Die Ausgewanderten fehlen uns nicht nur als vertraute Gesichter und engagierte Menschen in den Gemeinden, sondern auch als Verwandte und Freundinnen“, sagt Pfarrerin Hernández. Es gehen vor allem die jungen, gut ausgebildeten Menschen. Zurück bleiben die älteren Menschen und junge Mütter, die ihre Kinder nicht der gefährlichen Reise durch Mittelamerika aussetzen wollen.

Die presbyterianische Kirche bemüht sich in dieser Situation um die Aufrechterhaltung ihrer sozialdiakonischen Arbeit, auch zu Gunsten derjenigen, die am meisten unter der Auswanderung von Familienmitgliedern leiden. Das Jahresprojekt unterstützt dabei Initiativen der Gemeinden vor Ort, wie Frühstücks- und Mittagessentreffen für ältere Menschen, bei denen sie nicht nur gesundes und ausreichendes Essen erhalten, sondern auch gemeinsame Freizeit erleben. Außerdem sammelt es für Ausbildungskurse für alleinerziehende Mütter, in Handarbeiten, aber auch in grundlegenden Sanitär- und Elektroarbeiten, damit sie kleine Reparaturen zu Hause selbst durchführen können.

Seit der Revolution 1959 ist Kuba ein sozialistischer Staat mit einem Einparteiensystem. Offizielle aktuelle Statistiken über Religionszugehörigkeit gibt es nicht.Nach der Revolution wurde Kuba ein atheistischer Staat. Erst 1992 wurde in der Verfassung der Begriff „atheistisch“ durch „laizistisch“ ersetzt. Bis zu 70 % der Bevölkerung gehören zur katholischen Kirche. Religiöse Minderheiten sind 5 % Protestanten und afrokubanische Religionen wie die Santeria, eine Kombination aus afrikanischer Yoruba-Verehrung mit katholischem Heiligenglauben. Ein Großteil der Bevölkerung ist wahrscheinlich atheistisch, wobei die Grenzen zwischen Atheismus, Katholizismus und Santeria zum Teil fließend sind.

 

„Du bist nicht allein auf dem Weg“

„Du bist nicht allein auf dem Weg“ – so hat Pfarrerin Yamilka González das diakonische Projekt ihrer Gemeinde für alleinerziehende Frauen überschrieben. Sie sagt: „In Kuba gibt es derzeit immer mehr Frauen, die sich allein um ihre Kinder oder alten Eltern kümmern. Ihre Ehemänner sind ins Ausland gegangen, in der Hoffnung, später ihre Familien nachholen oder unterstützen zu können.“ Diese Frauen fühlen sich oft alleingelassen und überfordert mit der Situation. Wie die Gemeinde von Pfarrerin Yamilka González laden auch viele andere Gemeinden der Presbyerianisch-Reformierten Kirche in Kuba die Frauen zu Treffen ein und bieten ihnen Essen an.


Projekt 1: Hilfe für von Auswanderung betroffene Familien

Kuba erlebt zurzeit eine tiefe Wirtschaftskrise. Viele, vor allem junge Menschen, gehen weg. „Allein in der letzten Woche haben zwei wichtige Ehrenamtliche aus unserer Gemeinde das Land verlassen“, erzählt Pfarrerin Liudmila Hernández aus Havanna im Frühjahr 2022 und fügt an: „Sie fehlen uns nicht nur als engagierte Mitglieder in der Gemeinde, sondern auch als Verwandte und Freundinnen.“ Zurück bleiben vor allem ältere Menschen und junge Mütter, die ihren Kindern den gefährlichen Weg durch Mittelamerika in die USA nicht zumuten wollen. Ihnen fehlt die Unterstützung durch Angehörige und sie fühlen sich oft einsam. Gerade sie möchte die Kirche unterstützen. Sie bietet deshalb Mittagessentreffen und Essen auf Rädern für ältere Menschen und Ausbildungskurse für alleinerziehende Frauen an.

Projekt 2: Nähwerkstätten für Frauen

„Wegen der Neuordnung der Wirtschaft durch die Regierung ist es für die Frauen sehr wichtig, eigenes Geld verdienen zu können“, erklärt Grethy García aus Taguasco. Deshalb sollen in den Gemeinden in Nueva Paz und Taguasco Nähwerkstätten entstehen, wo Frauen Textilien für den eigenen Gebrauch, für Bedürftige aus dem Dorf oder für den Verkauf herstellen können. Pfarrerin Tirisay Durán Martinez aus Nueva Paz ist zuversichtlich: „Durch das Nähprojekt wird die Arbeit der Frauen sichtbarer im Dorf. Bei den Treffen können sie Gemeinschaft erleben und Kraft schöpfen.“ Die bereits vorhandenen Nähmaschinen sind sehr alt, müssen repariert oder ersetzt werden. Für ihre Arbeit benötigen die Frauen auch Stoffe und Fäden. Das Jahresprojekt der Frauenarbeit unterstützt die Einrichtung der Nähwerkstätten.

Projekt 3: Seminare für Frauen in der Kirche

Seit 1927 besteht die Nationale Frauenunion in der Kirche. Mit Veranstaltungen und Seminaren bringt sie Frauen aus der ganzen Kirche zusammen und stärkt sie. In den Jahren 2023 und 2024 soll jeweils ein Seminar pro Jahr und Kirchenkreis stattfinden, außerdem ein großes Treffen für Frauen aus ganz Kuba. Dort sprechen die Frauen über alltagsrelevante Themen, immer inspiriert von ihrer Situation und von der Bibel: Landwirtschaft, Gemeinschaftsgärten, Ökologie, Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit. Dabei lernen sich Frauen aus verschiedene Regionen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen kennen.

Projekt 4: Familienarbeit in einer Elendssiedlung

Die Frauengruppe der Gemeinde in San Antonio de los Baños, einem Vorort von Havanna, hat eine schöne Tradition: Jährlich schenken sie einer Frau, die am 25.12. oder am 6.1 im örtlichen Krankenhaus entbindet, eine Erstausstattung für ihr Baby. Auf diese Weise haben sie vor vier Jahren Kontakt zu einer Familie in einer Elendssiedlung am Rand der Stadt aufgebaut und haben angefangen, diese und andere Familien materiell zu unterstützen und in die Gemeinde einzubinden. Für Lebensmittelhilfe und den Transport der Familien zu ihren Aktivitäten braucht die Gemeinde Unterstützung.

Projekt 5: Lokale Konfliktbearbeitung

Die Stadt Caibarién liegt in der Nähe der touristisch beliebten Inselwelt „Cayería del Norte“. Hier leben viele Wanderarbeiter, die ihr Geld hauptsächlich beim Bau und Betrieb von Hotels verdienen. In dem Viertel „Línea“ gibt es Probleme mit Alkoholismus und familiärer Gewalt, Machismus und Hygiene. Mit Hilfe gemeinschaftlicher Aktivitäten wie Sport, Theater, Musik, Tanz und Artistik sollen die Menschen verantwortungsvolles Zusammenleben lernen und die Beziehungen zu ihren Nachbarn verbessern. Dazu will die Gemeinde auch mit anderen Akteuren aus den Bereichen Kultur und Sport zusammenarbeiten.


Partner-Talk mit Havanna

Nehmen Sie am 23. Februar um 19 Uhr an unserem Partner-Talk mit Pfarrerin Liudmila Hernández-Retureta teil!
Hier geht's zum Partner-Talk

Kontakt

Petra Dehe-Zecha ist die Leiterin der Frauenarbeit des GAW Hessen-Nassau.
Sie können sie zu Vorträgen einladen und bei ihr Material über das Jahresprojekt bestellen.

Mühlgasse 24a
35519 Rockenberg
Tel. 06033 971972‬
E-Mail: herfel-stuerz@gmx.de

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