Aus dem Tagebuch von Matthias Hadlich, Freiwilliger in Uruguay 2011/2012

Mai 2012

Die Schule hat wieder begonnen, und so habe ich alle Hände voll zu tun. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres haben wir zwei neue Schüler bekommen, Shirley und Danilo. Da sie erst später in die Schule müssen, fahren wir nun an einigen Tagen dreimal den Schulbus.
Am Unterricht, den ich gebe, hat sich nicht viel verändert: dieselben Schüler, zu etwas anderen Zeiten, immer noch in Computerunterricht und Mathematik. Mit der Zeit sehe ich gerade in Mathematik wirklich Fortschritte und stelle fest, dass ich den Kindern wirklich helfen kann. Immer beliebter wird es, mit den Hausaufgaben zu mir zu kommen. Dann geht es schnell, es ist einfach, fast immer richtig, und ein „excelente“, also eine Belobigung vom Lehrer, quasi sicher.
Auch im Computerunterricht kann ich Erfolge erkennen, wenn auch nur kleine. Die Kinder machen zum Beispiel ihre Hausaufgaben eigenständig, suchen Informationen im Internet, wählen aus, ergänzen durch Bilder und fügen dann alles in ein Dokument ein. Auch wenn dies nur kleine Verbesserungen sind, so macht sich doch ein intuitiverer Umgang mit dem PC bemerkbar. Verbesserungen wie auch Verschlechterungen gab es bei unseren technischen Geräten. Seit ich in Paraguay bin, ist eigentlich jedes Gerät in „La Cantera“ mindestens einmal ausgefallen oder kaputtgegangen. Angefangen mit der Waschmaschine über Computer, Laptops, Drucker usw. Die meisten Sachen laufen wieder problemlos, wurden ausgetauscht oder repariert, nur die verlorenen Bilder und Texte ließen sich nicht mehr wiederherstellen.
Insofern gab und gibt es hier immer genug zu tun. Umso mehr freue ich mich auf den baldigen Urlaub mit meinen Eltern und darauf, noch mehr von dem Land zu sehen.

Ihr Matthias Hadlich

Januar 2012

Weitere drei Monate sind ins Land gegangen. Inzwischen gab es viele Erfolge, aber eben auch viele Misserfolge und auch etwas Frust.

Mein Spanisch hat nun das Level erreicht, dass ich über die meisten Sachen reden kann und auch die meisten Sachen verstehe. Das hilft natürlich bei jeder Begegnung mit Paraguayern. Das Problem ist allerdings, dass die Leute auf der Straße vor allem Guaraní sprechen, eine indigene Sprache, die in Paraguay zusammen mit dem Spanischen die Amtssprache ist. Von Guaraní verstehe ich immer noch nicht mehr als einzelne Wörter.

Sehr gelungen war unser Weihnachtsprojekt in „La Cantera“. Ich habe mit den Kindern eine Krippe aus Lehm gebaut und parallel dazu die biblische Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Das Endergebnis war eine wirklich schöne Krippe, mit Josef und Maria, den Heiligen Drei Königen – die mich wegen ihrer Hüte eher an Mexikaner erinnerten –, Schafen und Engeln, außerdem Schlangen und Vögeln und einem Jesus, der wie ein kleiner Alien aussah.
Besonders interessant war es, Weihnachten und Silvester in „La Cantera“ zu verbringen. Wir haben viele der Familien aus dem Projekt besucht. Obwohl sie eigentlich sehr arm sind, haben uns doch alle zu einem Glas Clerico (Wein mit vielen Früchten) eingeladen.
Aber so wie ein Vorhaben gut funktioniert, haben wir auch Scheitern erfahren. Gleich am Anfang haben wir hier ein Gartenprojekt begonnen. Dieses schläft nun langsam wieder ein. Irgendwie konnten wir die Kinder nicht genügend begeistern, dafür war es einfach zu viel Arbeit mit zunächst zu wenigen Ergebnissen. Zudem mussten wir feststellen, dass wir mit unseren Mitteln die Pflanzen nicht genügend bewässern und vor der Sonne schützen können und somit große Verluste haben.

Nun genieße ich noch die letzten Tage der fast zwei Monate dauernden Schulferien hier, bald ist Zwischenseminar in Argentinien, und danach gibt es wieder viel zu tun.

Ihr Matthias Hadlich

September 2011

Endlich weg. Endlich mal ganz weit weg. Weg war ich schon oft genug, doch meistens mit meiner Familie. Nun endlich alleine, nach dem Abitur, in das Ausland gehen. Es ist ein Traum, der in Erfüllung ging. So sitze ich hier in einem fremden Land, einer anderen Kultur, bin aber trotzdem gut aufgehoben. Helfen, soweit es möglich ist, versuchen, die Leute zu verstehen, einfach mitmachen.
Olivia, meine Mitfreiwillige, und ich sind gut hier in Paraguay angekommen. Der Einstieg wurde uns auch sehr einfach gemacht. Zunächst hatten wir viel Vorbereitung in Deutschland, die uns etwas Hintergrundwissen und Informationen über Lateinamerika vermittelt hat. Ebenso hilfreich waren die zwei Wochen in Buenos Aires, inklusive Sprachkurs, grade weil ich vorher kaum ein Wort Spanisch sprechen konnte. Viele Vorträge, viele Ausflüge, viel Spaß. Besonders beeindruckend waren der Besuch des Folterzentrums ESMA aus der Zeit der argentinischen Diktatur und der Besuch der ökumenischen Menschenrechtsorganisation MEDH, die versucht, jene ungeklärten Verbrechen aufzudecken.
Der erste Tag in Paraguay brachte wohl die größten Überraschungen mit sich: ein Willkommensplakat und dann gleich eine Partie Fußball mit vielen Kindern unseres Projektes. Das „Projekt“, wegen dem nahe gelegenen Steinbruch „La Cantera“ genannt, liegt 40 km von der Hauptstadt Paraguays, Asunción, entfernt. Jeden Tag dürfen wir früh den Schulbus fahren und nachmittags unterrichten. Nachhilfe in den Fächern Spanisch, Mathe und Englisch, Umgang mit den Computern, ein kleiner Anschub, der den Kindern später in der Schule hilft.
Im Großen und Ganzen macht die Arbeit hier wirklich viel Spaß und ich bin sehr glücklich in meinem Projekt.
Ihr Matthias Hadlich