Syrien: Al-Ghassaniyah – eine Kirche für den Neuanfang
Im Dezember 2024 wurde in Syrien das Assad-Regime gestürzt. Danach hofften viele Menschen im Land auf Frieden und eine politische Neuordnung. Doch für Christen und andere religiöse Minderheiten bleibt ungewiss, ob ihre Sicherheit und ihre gleichberechtigte Teilhabe dauerhaft gewährleistet sind. Noch immer kommt es zu Übergriffen islamistischer Gruppierungen, manche Aktivitäten außerhalb der Kirchenräume sind genehmigungspflichtig und die wirtschaftliche Lage ist dramatisch.
Im Nordwesten Syriens, in der Provinz Idlib, liegt das Dorf Al-Ghassaniyah. Vor dem Krieg lebten dort rund 500 christliche Familien orthodoxer, katholischer und evangelisch-presbyterianischer Konfession. Im Oktober 2012 überfielen islamistische Gruppen den Ort: Ein Priester wurde ermordet, das historische Kloster angegriffen, Kirchen wurden geschändet und Häuser geplündert. Die Bevölkerung musste fliehen. In ihren Häusern ließen sich ausländische Kämpfer und deren Familien nieder. Mehr als 13 Jahre lang war den ursprünglichen Bewohnerinnen und Bewohnern die Rückkehr verwehrt.
Am 8. November 2025 feierten die vertriebenen Christinnen und Christen erstmals wieder gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst im Dorf – ein starkes Zeichen der Hoffnung. Doch die Rückkehr ist beschwerlich, da viele Häuser zerstört oder schwer beschädigt sind. An der evangelischen Kirche fehlen Teile der Außenwand, vor allem an der Altarwand, wo einst ein Kreuz eingemauert war. Staatliche Unterstützung für den Wiederaufbau gibt es nicht. Bislang haben erst 43 Familien den Neuanfang gewagt.
„Von den evangelischen Familien sind bislang sechs zurückgekehrt. Weitere 35 warten darauf, wieder in ihrer Heimat leben zu können“, berichtet Pfarrer Joseph Kassab, Generalsekretär der Evangelischen Kirche in Syrien und im Libanon (NESSL).
Die NESSL möchte die Rückkehrenden unterstützen und ihrem Glauben wieder ein Zuhause geben. Die evangelische Kirche soll erneut zu einem Ort der Gemeinschaft werden – mit einem sanierten Gemeindesaal, neuem Dach für das Pfarrhaus und Glocken, die aus dem wiederaufgebauten Turm klingen. Die seelsorgliche Betreuung soll künftig ein Pfarrer aus Latakia übernehmen, da die frühere presbyterianische Gemeinde in der Provinzhauptstadt Idlib nach der langjährigen Herrschaft der sogenannten Rebellen nicht mehr existiert. Für die gesamten Instandsetzungsarbeiten werden schätzungsweise 170 000 US-Dollar benötigt.
„Trotz Vertreibung und Zerstörung bewahren die Menschen von Al-Ghassaniyah eine tiefe Verbundenheit mit ihrem Land, ihrem Glauben und ihrem Erbe“, betont Joseph Kassab. Die Wiederherstellung der Kirche ist der entscheidende erste Schritt, um den Familien den Mut zur Rückkehr zu geben.
Das Gustav-Adolf-Werk möchte seiner Partnerkirche helfen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen in ihre Heimat zurückkehren, ihren Glauben frei leben und gemeinsam eine Zukunft aufbauen können.
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Partnerkirche: Evangelische Kirche in Syrien und im Libanon