Syrien: Ein Hoffnungsraum in Krieg, Flucht und Not

Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Gemeinde in Hassakeh in Syrien

Mitten im Krieg in Syrien kehrte Mathilde Sabbagh nach ihrem Theologiestudium in ihre Heimatstadt Hassakeh/Al Hasaka im Nordostsyrien zurück. Die evangelische Gemeinde bestand nur noch aus wenigen Familien, die in der Stadt verblieben waren. Niemand rechnete ernsthaft damit, dass sie die Gemeinde wiederbeleben könnte. „Es war sehr ungewohnt für sie, eine Frau auf der Kanzel zu sehen, die predigt und sie zurechtweist, und dann auch noch so eine junge“, erzählt sie heute rückblickend. „Die Kinder und Jugendlichen haben mich aber von Anfang an voll und ganz angenommen. Das hat dazu beigetragen, dass mich auch die Erwachsenen anerkennen.“

Inzwischen hat die Gemeinde die größte Kinder- und Jugendarbeit in der ganzen Evangelischen Kirche in Syrien und im Libanon. Es kommen regelmäßig 200 Kinder und 150 Jugendliche in die Kirche und es werden immer mehr. Der Platz wird langsam knapp.

Wir versuchen einfach, die Lücken zu schließen. Es ist doch nicht ihre Schuld, dass sie in dieser Zeit geboren wurden.

„Die Jugendlichen haben keinen Ort, an dem sie etwas tun können, was Spaß macht und gleichzeitig gesund ist“, erklärt Mathilde Sabbagh die Anziehungskraft der Gemeindeangebote. „Wir haben z.B. eine Tischtennisgruppe. Einmal in der Woche kommt eine Ernährungswissenschaftlerin und spricht mit den Jugendlichen über gesunde Ernährung, ihren Körper und die Veränderungen in der Pubertät. In unserer Gesellschaft dreht sich vieles um Richtig und Falsch, Ehre und Scham. Die Jugendlichen können nicht über ihren Körper sprechen und sie können ihre Eltern nicht fragen. Ich rede also auch über Sexualität mit ihnen. Und nebenbei bemerkt: Ich bin die einzige Geistliche in Hassakeh, die tanzen kann!“

Die Gemeinde bietet den Jugendlichen und Kindern Ausflüge, Freizeitaktivitäten und Partys, Bibelarbeiten und gemeinsame Gebete. „Wir versuchen einfach, die Lücken zu schließen. Es ist doch nicht ihre Schuld, dass sie in dieser Zeit geboren wurden. Auch wenn sie einmal weggehen sollten, werden sie diesen Schatz in ihrem Herzen behalten.“ Nur fünf der Jugendlichen sind evangelisch. Die anderen kommen aus der orthodoxen oder katholischen Kirche. Sie konvertieren nicht, sondern bleiben Mitglieder ihrer Kirchen, betont die Pfarrerin. Sonst würde es Streit zwischen den Christen geben und das will in diesen schwierigen Zeiten niemand.

Auch wenn sie einmal weggehen sollten, werden sie diesen Schatz in ihrem Herzen behalten.

Manchmal verzweifelt Mathilda Sabbagh an der Not, die sie sieht, und fragt sich, ob auch sie – schon um ihrer Töchter Willen – das Land verlassen sollte. Und hofft dann zugleich, dass sie es schafft, durchzuhalten. Auch um der Kinder Willen, für die ihre Gemeinde ein Hoffnungsraum ist. Ihr Glaube hilft ihr, zu bleiben.

Die GAW-Frauenarbeit möchte mit ihrem Jahresprojekt die Jugendarbeit in der evangelischen Gemeinde in Hassakeh mit 10 000 Euro unterstützen.

Helfen sie mit, Hoffnung zu stiften!

Meine Hoffnung und meine Freude - Jahresprojekt der Frauenarbeit 2021

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