Venezuela: Opposition wirft Regierung Wahlbetrug vor

Arno Erdmann beim Gespräch mit GAW-Generalsekretär Enno Haaks im Januar 2024 in Leipzig

Nach der Präsidentschaftswahl in Venezuela hat sich Amtsinhaber Nicolás Maduro als Wahlsieger erklärt. Die Opposition um María Corina Machado wirft der Regierung Wahlbetrug vor. Hunderttausende Menschen protestieren gegen die autoritäre Regierung von Präsident Maduro. Immer wieder kommt es dabei zu heftigen, auch tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. 12 Menschen sollen bereits gestorben sein.

Auf Grund gesunkener Ölpreise herrscht in Venezuela seit 2013 eine tiefe Wirtschafts- und Versorgungskrise. Alles (außer Erdöl) ist knapp – Lebensmittel, Medikamente, Hygienemittel. Millionen von Menschen sind ins Ausland geflohen. Vor allem in den Nachbarländern Brasilien und Kolumbien leben zahlreiche venezolanische Geflüchtete, aber auch in den USA und Europa wachsen die venezolanischen Communities.

Arno Erdmann ist Kaufmann und stellvertretender Kirchenpräsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Venezuela. Er hat die meiste Zeit seines Lebens in Venezuela verbracht und kennt das Land gut. Am 30. Juli berichtete er im Deutschlandfunk: „Über dem Land liegt eine gespannte Stille. Oppositionsführerin Machado hat zu kleinen Versammlungen vor Ort aufgerufen, damit die Menschen ihre Stimmen verteidigen. Die Militärführung wirft ihr vor, einen Putsch vorzubereiten. Viele Menschen verlassen ihre Häuser nicht mehr aus Angst vor gewalttätigen Unruhen wie sie sich schon nach der Wahl im Jahr 2017 ereigneten. Derweil weigern sich einige Angehörige des Militärs, auf die Bevölkerung zu schießen.“

Die Opposition habe sich sehr gut auf diese Wahl vorbereitet, um im Nachhinein einen eventuellen Wahlbetrug beweisen zu können, so Erdmann. So habe es eigene Wahlbeobachter gegeben und die Wählerlisten seien vorher digitalisiert worden. Die Regierung setze nun darauf, die Proteste durch gewalttätige Repression zu unterdrücken, wie es 2017 geschehen ist. Im Moment hänge viel davon ab, wie sich internationale Organisationen und andere Staaten wie Brasilien verhalten würden.  

Die evangelischen Gemeinden sind in den letzten Jahren stark geschrumpft. Die Mitgliederzahl der deutschen Gemeinde in Caracas, deren Gemeindevorsitzender Erdmann ist, sank von 2.000 auf 200. Die spanischsprachige Gemeinde hat noch 100 Mitglieder, ihr Pfarrer ist fast 90 Jahre alt. Laut Erdmann hat die Kirche nur noch drei weitere Gemeinden: Eine starke Gemeinde in Valencia unter der Leitung des Kirchenpräsidenten Gerardo Hands und die Gemeinden in Barquisimeto und Turén.

Link zum DLF-Interview mit Arno Erdmann

Gespräch von Enno Haaks mit Arno Erdmann: "Ich weiß manchmal nicht mehr, wie die Menschen hier überleben."

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