Ukraine: Vier Jahre Krieg und kein Ende
Am 24. Februar 2026 jährt sich der kriegerische Überfall Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal. Seit jenem Tag führt das Russland Putins diesen Angriffskrieg mit unerbittlicher Härte. Für viele Ukrainerinnen und Ukrainer begann der Krieg allerdings schon 2014 mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim. Schon länger ist deutlich: Dieser Krieg ist Ausdruck einer nationalistisch-imperialen Politik, die auf Macht und Ausdehnung zielt.
Doch dieser Krieg ist längst mehr als ein geopolitischer Konflikt. Er berührt die Grundfragen unseres Glaubens. Es geht um Wahrheit und Lüge, um Menschenwürde und Selbstbestimmung, um die Frage, ob der Name Gottes für Gewalt missbraucht werden darf. Dieser Krieg ist damit auch ein geistlicher Kampf – um die Integrität des Evangeliums und um die Treue zu dem, der nicht zur Gewalt ruft, sondern zum Frieden.
Anfang Dezember 2025 hat die Konferenz Europäischer Kirchen (CEC) in Helsinki darüber beraten, wie imperialistisches Gedankengut und die Ideologie der „russischen Welt“ theologisch zu beurteilen sind. Deutlich wurde: Wo politische Macht sakralisiert und Krieg als „heiliger Krieg“ gerechtfertigt wird, wird das Evangelium pervertiert. Wenn Sündenvergebung für Kriegsverbrechen in Aussicht gestellt oder nationale Identität und Selbstbestimmungsrecht geleugnet werden, widerspricht das fundamental dem christlichen Glauben.
„Es ist die Aufgabe der Kirchen, Christus als König in den Mittelpunkt zu stellen, aber nicht als einen König, der unterdrückt und mit Gewalt herrscht. Christus lehrt uns, dass Regieren in erster Linie Dienen bedeutet. Zweitens erscheint uns Christus als Prophet. Als solcher gehört er zur Tradition der alttestamentlichen Propheten. Propheten prangern Ungerechtigkeit an und verteidigen die Wahrheit gegen Machtmissbrauch. Drittens bezieht sich das Priestertum Christi auf die Gemeinschaft der Kirchen und die Kraft des Gebets. So verdeutlicht der dreifache Dienst Christi, was die Kirchen tun müssen: in Liebe dienen, mutig sprechen und treu beten.“ So schreibt Chris De Pauw vom Synodalrat der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien, der in Helsinki dabei war.
Konkret heißt das: den Missbrauch des Glaubens für nationalistisches Denken klar zurückzuweisen. Die Sakralisierung politischer Macht zu entlarven. Sünde als Sünde zu benennen – auch wenn es um Kriegsverbrechen geht. Opfern und Geflüchteten beizustehen. Und nicht nachlassen, auf die Kraft des Glaubens zu bauen.
Wie existenziell dieser Auftrag ist, zeigt ein Brief von Pfarrer Alexander Gross aus Odessa. Seit Ausbruch des Krieges lebt er mit seiner kleinen lutherischen Gemeinde im Ausnahmezustand: Drohnen am Himmel, Luftalarm, Explosionen. Angst ist Alltag geworden – und doch geht das Leben weiter. Gottesdienste werden gefeiert, Kinderfreizeiten organisiert, Menschen getauft und konfirmiert. Die Gemeinde ist ein Anker inmitten der Unsicherheit. „Das Leben widersetzt sich dem Krieg“, schreibt er. Frieden ist für ihn kein abstraktes Ideal, sondern die konkrete Hoffnung, dass Menschen überleben und Kinder Zukunft haben.
Vier Jahre Krieg. Unermessliches Leid. Für Alexander Gross heißt es, an der Seite der ihm anvertrauten Menschen zu stehen, da zu sein, zu schauen, was notwendig ist – und nicht nachzulassen, zu glauben, zu hoffen, zu lieben.
Alexander Gross schreibt: „Wir arbeiten weiter – immer so, wie es die aktuelle Situation zulässt. Es ist für uns alle nicht einfach. Aber der Frühling ist fast da. Es wird etwas leichter sein, obwohl der Krieg weitergehen wird.“
Als GAW bleiben wir an der Seite unserer Glaubensgeschwister in der Ukraine.
Spendenaufruf:
U.a. unterstützt das GAW die lutherischen Gemeinden in Odessa und den Dörfern Nowohradkiwka und Petrodolinsk. Der Krieg hat die Armut und die Perspektivlosigkeit der Menschen in der Region verschärft. Pastor Alexander Gross und sein Team helfen mit konkreter Unterstützung im Alltag: sie bringen Geflüchtete aus den besetzten Gebieten in Wohncontainern unter, sie versorgen die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten, mit Obdach für Menschen, deren Wohnungen zerstört wurden, sie geben Kindern Raum und helfen bei den Schularbeiten. Und was ebenso wichtig ist: sie halten Gottesdienste, beten gemeinsam, trösten einander und sind da.
Unterstützen Sie uns:
Spendenkonto: Gustav-Adolf-Werk e.V.
Bank für Kirche und Diakonie
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BIC: GENO DE D1 DKD
Fürbitte
Gott, es ist so vieles, was uns auf der Seele liegt:
Seit 4 Jahren, seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine,
werden Menschen gequält, ermordet, verschleppt, vertrieben.
Kein Ort ist sicher vor den Gewalttaten des russischen Aggressors.
Wir bitten dich: sei du die Kraft, die Menschen brauchen, um am Leben zu bleiben,
gib‘ Schutz in aller Unsicherheit.
4 Jahre, das sind 48 Monate:
Seitdem wird das Land verwüstet und ausgelaugt,
die Infrastruktur zerstört, wird das Leben der Bevölkerung so schwer wie möglich gemacht und das Ausmaß der Bombardierungen immer größer.
Wir bitten dich: hilf, Räume zu finden, in denen Miteinanderleben möglich ist,
wo Menschen einander stützen und tragen, bis dieser Krieg ein Ende hat.
48 Monate, das sind 1.461 Tage
seitdem die Menschen in der Ukraine keinen normalen Alltag mehr kennen,
und auch für diejenigen, die fliehen mussten, ist nichts mehr so, wie es war.
Die Familie, die Freunde und das Zuhause zurücklassen zu müssen,
den Arbeitsplatz, die Schule, alles, was bisher das eigene Leben ausgemacht hat:
wie können Menschen das ertragen?
Wir bitten dich: Schick‘ ihnen den Segen des Himmels,
der sie begleite, umhülle, schütze.
Seit 4 Jahren haben Menschen ihr Herz geöffnet,
ihre Häuser und Wohnungen,
um denen beizustehen, die plötzlich vor dem Nichts standen.
Vieles ist gewachsen an Nähe und Freundschaft, vieles ist geglückt.
Vieles ist schwer, manches zu schwer geworden,
für die, die gekommen sind und die, die sie empfangen haben.
Für sie alle bitten wir um Ausdauer und Geduld,
um Offenheit und Freundlichkeit füreinander.
Für uns und unsere geschundene Welt bitten wir:
Komm, Gott des Himmels und der Erde,
komm und mach du dem brutalen Treiben der Tyrannen ein Ende,
komm und breite Menschenfreundlichkeit und Frieden aus.
Und alles, was uns bewegt, was wir im Herzen tragen,
bringen wir in der Stille vor dich…
Gemeinsam beten wir, wie Christus uns zu beten gelehrt hat:
Vater Unser… (Quelle: https://www.ekd.de/ukrainekrieg-jahrestag-2026-94246.htm