Syrien: Erwartung der evangelischen Christen an den Besuch des syrischen Präsidenten in Deutschland

Der Besuch des syrischen Präsidenten Ahmed al‑Scharaa in Deutschland wird von evangelischen Christen in Syrien – besonders in Aleppo – aufmerksam und mit großen Erwartungen begleitet. Die Nachrichten darüber erreichen auch die Gemeinden vor Ort: „Ich weiß um den Besuch in Deutschland,“ schreibt Pfarrer Haroutne Selimian von der armenisch-evangelischen Bethelgemeinde in Aleppo. Am Palmsonntag predigte er sowohl in der armenischen Bethelkirche und der Emanuelkirche. Beide Gottesdienste waren voll. Und viele Kinder waren dabei. „Unser kirchliches Leben ist lebendig. Aber die tieferen Wunden des Landes sind weiterhin offen nach den langen Kriegsjahren.“ So ist der Alltag geprägt von Hoffnung und Widersprüchen.

Die Erwartungen an den Besuch des syrischen Präsidenten sind daher klar und eindringlich: Gefordert wird eine glaubwürdige Vision für Sicherheit in Syrien – eine Sicherheit, die nicht nur auf politischer Kontrolle basiert, sondern allen Menschen gilt und ihnen gleiche Rechte und Würde garantiert. Es geht um eine echte Inklusion: für alle Syrerinnen und Syrer, unabhängig von Herkunft oder religiöser Zugehörigkeit.

Besonders betont wird, dass bloße politische Statements nicht ausreichen. Was gebraucht wird, ist echte Versöhnung. „Wir brauchen einen nationalen Heilungsprozess,“ sagt Selimian. „Tief sitzen die Wunden von Vertreibung, Gewalt, Opfern, zerstörten Träumen und den vielen Vermissten.“

Auch an Deutschland und die internationale Gemeinschaft richten sich klare Erwartungen: Sie sollen eine konstruktive Rolle einnehmen, und das nicht nur kurzfristig, sondern langfristig. Dazu gehören verlässliche Zusagen für Wiederaufbau, Bildung, Gesundheitsversorgung und vor allem Investitionen in Menschen. Der Fokus dürfe nicht allein auf der Infrastruktur liegen, sondern müsse die zivile Gesellschaft stärken.

Die evangelischen Christen verstehen ihren Auftrag dabei bewusst umfassend. „Wir dienen allen Syrern und Syrerinnen – Sunniten, Schiiten, Kurden, Drusen, Alawiten und Christen aus den unterschiedlichen Denominationen. Das ist unser Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die Zukunft Syriens,“ so Selimian.

Der Besuch in Deutschland wird somit nicht nur als politisches Ereignis gesehen, sondern als mögliche Chance für konkrete Schritte hin zu Sicherheit, Gerechtigkeit und echter Versöhnung.

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