Libanon: GAW-Partner helfen in der Krise

Der Libanon kommt nicht zur Ruhe. Im März 2026 wurden Hunderttausende Menschen durch die heftige Eskalation der Gewalt gezwungen, aus ihren Dörfern im Süden und den Vororten von Beirut zu fliehen. Kirchen, Schulen und provisorische Lager wurden über Nacht zu Zufluchtsorten für Familien, die alles verloren hatten. In dieser schwierigen Lage leisten unsere beiden Partnerkirchen – die National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL) über ihren Hilfsdienst CPS (Compassion Protestant Society) sowie die Armenisch-Evangelische Kirche über das UAECNE-Krisenkomitee – wichtige humanitäre und seelsorgerische Arbeit.

NESSL und CPS

Die Erleichterung über das Nachlassen der Kämpfe ist spürbar, doch die Rückkehr hat sich für zahlreiche geflüchtete Familien als unmöglich erwiesen. Amin Bitar, Direktor der CPS, berichtet: „Während viele Familien begonnen haben, in ihre Heimatorte zurückzukehren, bleibt eine beträchtliche Zahl weiterhin vertrieben – insbesondere diejenigen aus den Grenzgemeinden. Andere sind zurückgekehrt, mussten jedoch feststellen, dass ihre Häuser beschädigt und ihre Lebensgrundlagen zerstört sind. Für viele hat die Vertreibung kein Ende gefunden, sondern nur eine andere Form angenommen.“

Ein schwerer Schlag traf die Kirche in der südlibanesischen Stadt Nabatäa. Die dortige Nationale Evangelische Schule – eine von sieben Bildungseinrichtungen der NESSL – wurde bei den Angriffen massiv beschädigt. Das ist besonders bitter, weil sie erst kurz zuvor nach einer früheren Eskalation renoviert worden war.

Neben der Verteilung von Hygiene-Sets und Gütern in den Sammelunterkünften im Norden setzt CPS gezielt auf psychosoziale Hilfe und gesellschaftliche Versöhnung. Die jahrelangen Krisen haben tiefe Gräben gerissen. In Damur – einer Stadt, in der Christinnen und Christen während des libanesischen Bürgerkriegs 1976 Opfer eines Massakers wurden – organisierte CPS ein Gemeinschaftsessen: „Die vertriebenen Familien kochten die Mahlzeiten, lokale Freiwillige halfen dem CPS-Team beim Aufbau und alle teilten ein gemeinsames Essen im Geiste der Solidarität. In einem Kontext wachsender Polarisierung war dies ein starkes Zeugnis dafür, dass Beziehungen und Vertrauen über konfessionelle Grenzen hinweg aufgebaut werden können.“

Das Krisenkomitee der Armenisch-Evangelischen Kirche

Auch das Krisenkomitee der UAECNE (Union of the Armenian Evangelical Churches in the Near East) arbeitet unermüdlich daran, die Grundversorgung der geflüchteten Familien zu sichern. Seit Anfang März läuft die Koordination mit dem libanesischen Sozialministerium. Über ein dichtes Netzwerk werden Hunderte Familien in staatlichen Schulen (wie der Rene-Mouawad- oder Al-Bayader-Schule) mit Trinkwasser, Lebensmitteln, Kleidung und Babynahrung versorgt.

Ein besonderer Zufluchtsort ist das voll ausgestattete Camp KCHAG. Hier haben rund 30 Binnenvertriebene ein sicheres Dach über dem Kopf, inklusive Strom, warmem Wasser und Internet. Jugendliche der Kirche organisieren dort Programme für die traumatisierten Kinder.

Ein extrem wichtiger Schwerpunkt der Armenisch-Evangelischen Kirche ist die Bildungsarbeit. Mindestens 150 bedürftige Familien erhielten finanzielle Unterstützung, damit ihre Kinder die Schule nicht abbrechen müssen. Die Haigazian-Universität unterstützt Studierende, deren Elternhäuser in Beirut komplett zerstört wurden, bei den Studiengebühren. Zudem bot die Universität für 27 geflüchtete Zwölftklässler der Phoenix School Platz zum Lernen, damit diese ihr Schuljahr erfolgreich abschließen konnten.

Wie können wir helfen?

Amin Bitar zählt einige Punkte auf, auf die sich CPS in der nächsten Zeit konzentrieren möchte: Neben der Nothilfe für vertriebene Familien, die nicht zurückkehren können, sollen Familien mit einer realistischen Rückkehrperspektive Unterstützung für leichte Instandsetzungsarbeiten an Häusern erhalten. Eine besondere Rolle haben bei diesen gewalttätigen Konflikten jedoch die kirchlich geleiteten Friedens- und Versöhnungsinitiativen, um wieder Vertrauen aufzubauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Wir stehen weiterhin fest an der Seite unserer Partnerkirchen im Libanon und danken allen, die diese Arbeit durch ihre Spenden, ihre Solidarität und ihre Gebete mittragen.

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