Kolumbien: Bischof Atahualpa Hernández ruft zum Frieden im Land auf

02.09.2019 - 09:57:00

Der lutherische Bischof aus Kolumbien, Atahulapa Hernández Miranda, hat sich mit einem Brief an die weltweite Kirchengemeinschaft gewandt, nachdem der ehemalige Führer der FARC, Iván Márquez, ehemalige FARC-Kämpfer dazu aufgerufen hat, sich wiederzubewaffnen. Márquez begründet seinen Aufruf mit dem Verhalten der kolumbianischen Regierung, die das Friedensabkommen nicht umsetze.

Bischof Atahualpa Hernández schreibt:

„Die lutherische Kirche in Kolumbien (IELCO) hat in der Vergangenheit den Friedensprozess im Land aktiv begleitet und sich für die Umsetzung der Vereinbarungen aus dem Jahre 2016 eingesetzt. Angesichts der Ankündigung einer Gruppe ehemaliger FARC-Kämpfer, erneut zu den Waffen zu greifen, ruft die IELCO die christliche Gemeinschaft, insbesondere die lutherischen Kirchen weltweit, auf, sich für den Frieden einzusetzen und um ihn zu beten.
Wir rufen unsere kolumbianische Gesellschaft auf, die Hoffnung auf Frieden zu bewahren und die internationale Gemeinschaft, den weiteren Prozess für den Frieden in Kolumbien zu begleiten und den gewaltsamen Kampf in Kolumbien nicht zu befördern.
Wir rufen die kolumbianische Regierung auf, eine Haltung des Dialogs zu bewahren, um den Frieden zu erreichen. Wir bestehen darauf, dass alles getan wird für Wahrheit, Gerechtigkeit, Versöhnung und ein NEIN zur Rückkehr der Gewalt im Land. Von unserem Glauben her stehen wir für Wahrheit und Gerechtigkeit ein, rufen auf, die Rechte der Opfer des Krieges zu achten und die zu schützen, die sich für den Frieden einsetzen. Wir begleiten als IELCO ehemalige Kämpfer, die ein ziviles Leben führen wollen.
Wir weisen jede Form der Gewalt zurück – insbesondere den Aufruf ehemaliger FARC-Kämpfer, erneut die Waffen zu ergreifen. Wir flehen sie an, den Weg des Friedens zu gehen, zu dem wir aufgefordert sind durch unseren HERRN Jesus Christus!“

Viele Kolumbianer hofften auf einen dauerhaften Frieden nach einem über 50-jährigen Krieg, in dem mindestens 220.000 Menschen gestorben sind. Das Friedensabkommen wurde vor drei Jahren unterzeichnet . Sowohl die Regierung als auch die FARC haben die Umsetzung immer wieder torpediert – gerade unter dem Präsidenten Duque, der seit 2018 im Amt ist. Der Ruf zu den Waffen ist ein großer Rückschritt für den Friedensprozess, auch wenn Márquez wohl nur eine kleine Rebellengruppe repräsentiert. Die Gefahr ist, dass sich diese Gruppe mit der anderen, weiterhin aktiven  Rebellengruppe ELN verbündet, die inzwischen ein Rückzugsgebiet in Venezuela gefunden hat und von dort aus agiert. In der angespannten Lage in Kolumbien durch die vielen Flüchtlinge aus Venezuela macht die Situation nicht leichter.

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