Estland: Kirchen als Teil des Sicherheitsnetzwerks

Vom 8. bis zum 12. Juni 2026 fand in Estland die bisher größte zivile Sicherheitsübung des Landes statt. Unter dem Titel „ILVES 2026 – Unbemerkt bereit“ wurden Szenarien geprobt, in denen das Land mit einer Vielzahl gleichzeitiger Bedrohungen konfrontiert ist. Ein Novum dieser Sicherheitsübungen war die offizielle Einladung und Teilnahme des Estnischen Kirchenrates (EKN).

„ILVES“ (Luchs) ist eine nichtmilitärische Übung, im Rahmen derer staatliche Stellen, Kommunalverwaltungen, Unternehmen, Freiwilligenverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen ihr gemeinsames Handeln in Krisensituationen erproben. Simuliert werden komplexe Szenarien, von terroristischen Bedrohungen und Massenunruhen bis hin zu Grenz- und Versorgungsproblemen.

„Die Teilnahme an der Übung gab uns die Gelegenheit, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Rolle Kirchen und Gemeinden in einer Krisensituation spielen. Die Kirche ist nicht nur ein Ort für den sonntäglichen Gottesdienst, sondern auch Teil des sozialen Unterstützungsnetzwerks“, erklärte Urmas Viilma, Erzbischof der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und Präsident des EKN. „In Krisenzeiten benötigen die Menschen neben praktischer Hilfe auch geistigen Beistand, Seelsorge, Frieden und Hoffnung. Genau hier haben Kirchen und Geistliche ihre natürliche und notwendige Aufgabe.“

Die erstmalige Einladung des EKN zeigt, dass Kirchen auch in einer weitestgehend entkirchlichten Gesellschaft wie in Estland für die soziale Resilienz eine unverzichtbare Rolle spielen.

Zurück