Deutschland: GAW feierte Jubiläum der Frauenarbeit
175 Jahre Hoffnung und Handeln
Mit einem Festwochenende vom 24. bis zum 26. April 2026 blickte das Gustav-Adolf-Werk (GAW) auf 175 Jahre engagierte Frauenarbeit zurück. Unter dem Motto „Vielfältig und vernetzt“ feierten Gäste aus ganz Deutschland und internationalen Partnerkirchen die Gründung der ältesten evangelischen Frauenorganisation Deutschlands.
Die Feierlichkeiten beleuchteten die beeindruckende Geschichte, die 1851 in Berlin begann. Pionierinnen wie Adele Dorn nutzten damals ihre Talente – insbesondere die Musik –, um durch Benefizkonzerte die finanzielle Basis für die Unterstützung protestantischer Minderheiten in der Diaspora zu schaffen.
Diese Arbeit erforderte immer schon einen wachen Blick für Notlagen weltweit sowie Einfallsreichtum und wird heute genauso wie damals getragen durch "das unermüdliche ehrenamtliche Engagement von Frauen aus unseren Kirchen und Gemeinden“, so Inge Rühl, Vorsitzende der Frauenarbeit im GAW. „Stand zunächst die Hilfe im Mittelpunkt, hat sich unsere Arbeit in den vergangenen 175 Jahren stetig weiterentwickelt. Heute legen wir einen stärkeren Schwerpunkt auf den Austausch und das gegenseitige Lernen. Wir verstehen uns nicht mehr nur als reines Hilfswerk, sondern auch als Bildungswerk. Das zeigt sich auch im Programm unseres Jubiläums.“
Frauen im Fokus: Zwischen Rechten und Realität
Das Jubiläum schlug den Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Auch heute ist es leider keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen in Kirche und Gesellschaft dieselben Freiheiten und Perspektiven wie Männer haben. Die Festrednerin, Theologin und Journalistin Johanna Haberer, sprach zum Thema „Frauenrechte weltweit – Fortschritte oder Rückschritte?“ und zeigte eindrücklich, wie der Feminismus heute weltweit immer mehr unter Druck gerät: „Frauenrechte und Ordnungen, die den Frauen gleiche Ansprüche und Entwicklungschancen zurechnen, sind der erklärte Feind aller Regierungen, die derzeit eine neue Ordnung – oder besser Unordnung – etablieren, die Gewalt als Durchsetzung aller Ansprüche deklariert.“
In verschiedenen „Salons“ in der Peterskirche berichteten Pfarrerinnen aus Partnerkirchen über die Situation der Frauenordination weltweit, über spirituelle Ökumene sowie über die Herausforderungen in der Arbeit mit benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Frauenarbeit im GAW auch nach 175 Jahren nichts an Dringlichkeit verloren hat und angesichts globaler Herausforderungen unverzichtbar bleibt.
Vernetzung, die trägt
Neben dem Raum für Austausch und Vernetzung bot das Programm zwei feierliche Festgottesdienste in der Thomas- und der Nikolaikirche. In ihrer Predigt beschrieb Rita Famos, Präsidentin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), die Frauenarbeit im GAW als „Vernetzung, die trägt, und Gemeinschaft, die stärkt“ – als Frauen, die voneinander lernen und sich gegenseitig ermutigen, auch mal ermahnen und trösten. In all den Krisen und Herausforderungen ticke die Welt autokratisch, aber evangelische und reformierte Christinnen und Christen sollten der Versuchung widerstehen, auf große Leader zu setzen – weder auf kirchliche noch weltliche. “Wir setzen auf Frauen und Männer, die nicht der Herde hinterhertrotten, sondern sich herausrufen lassen. Und mit Mut, Hartnäckigkeit und Innovationskraft Räume für Neues schaffen.“
Weitere Informationen, Predigten und Pressefotos auf der Jubiläums-Seite