Deutschland: GAW-Delegiertenversammlung in Loccum
Wichtige Beschlüsse und neue Akzente
Vom 20. bis 22. September 2026 fand die bundesweite Delegiertenversammlung des EKD-Diasporawerks Gustav-Adolf-Werk e.V. (GAW) in der Evangelischen Akademie Loccum statt. 48 Delegierte aus 21 Hauptgruppen sowie den Frauengruppen der verschiedenen Landeskirchen und aus der Arbeitsgemeinschaft Junges GAW waren zu Gast beim GAW Hannover und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers.
Eröffnungsgottesdienst mit Landesbischof Ralf Meister
Den Auftakt der Tagung bildete am Sonntag, 20. September 2026, der Eröffnungsgottesdienst in der Klosterkirche Loccum. I n seiner Predigt beschrieb Landesbischof Ralf Meister mit eindrücklichen Worten den Kern der GAW-Arbeit: „Wir retten nicht die Welt! Wir wirken hinein in konkrete Situationen. Es ist ein Zeugnis für das Reich Gottes, nicht mehr, nicht weniger. Und wir protestieren gegen eine düstere Hoffnungslosigkeit, mit jeder noch so kleinen Hilfe. Und wir tun es in innigster, geschwisterlicher Gemeinschaft mit den Schwestern und Brüdern in der Welt.“ In dieser weltweiten Verbundenheit liege zugleich eine Stärkung für die Kirchen in Deutschland, so der Landesbischof weiter: „Wir sind doch die, die in den Hoffnungen und im Engagement, in der Treue des Glaubens und dem Festhalten an der Zuversicht unserer Partner gestärkt werden.“
(Die vollständige Predigt ist unter https://www.gustav-adolf-werk.de/predigten-und-predigthilfen.html abrufbar.)
Wahlen und Beschlüsse
Einstimmig stimmten die Delegierten dem Projektkatalog 2027 zu. Dieser sieht eine Rahmensumme von 1,9 Millionen Euro für insgesamt 104 Projekte in den Partnerkirchen des GAW auf drei Kontinenten vor. Personell gab es ebenfalls wichtige Weichenstellungen: Annette Muhr-Nelson (Co-Leiterin der GAW-Frauenarbeit in Westfalen) wurde mit großer Mehrheit für die Amtszeit vom 1. Januar 2027 bis 31. Dezember 2030 als Beisitzerin in den Vorstand des GAW gewählt. Der Generalsekretär des GAW, Pfarrer Enno Haaks, der das Diasporawerk seit 2010 leitet, wurde mit 47 Stimmen bis 2030 wiedergewählt. Zudem verabschiedete die Versammlung ein umfassendes Schutzkonzept.
Neues Leitbild beschlossen
Das auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft Junges GAW überarbeitete und aktualisierte Leitbild stellt wichtige Aspekte der Diasporaarbeit vor und präzisiert zugleich den Diasporabegriff. Das GAW versteht Diaspora einerseits als den Auftrag der Kirche, das Evangelium in die Welt zu tragen, und andererseits als die reale Situation von evangelischen Minderheitskirchen in der Zerstreuung, die weltweit in partnerschaftlichem Miteinander unterstützt werden. (Das vollständige Leitbild ist unter https://www.gustav-adolf-werk.de/leitbild.html abrufbar.)
Was macht Partnerschaft heute aus?
Im Zentrum des inhaltlichen Austauschs stand die Podiumsdiskussion „Solidarität neu denken – Was bedeutet Partnerschaft für das GAW heute?“. Darin beleuchteten Pfarrerin Annika Laats (Estland), Ágnes Pattantyús (Auslandsreferentin der Diakoniestiftung Diakonia Cluj, Rumänien) und Nicolás Rosenthal (Direktor der Diakonie Hora de Obrar, Argentinien, sowie Moderator der ACT Alliance) verschiedene Perspektiven der kirchlichen Zusammenarbeit.
Pfarrerin Annika Laats betonte dabei, dass echte Partnerschaft zum tiefsten Kern des Evangeliums gehöre – als eine Beziehung, in der am Ende beide Seiten reich beschenkt werden.
Dass diese Verbindungen weit über materielle Hilfen hinausgehen, unterstrich Ágnes Pattantyús. Sie schilderte aus ihrer täglichen Arbeit: „Menschen, die an ganz unterschiedlichen Orten der Welt geboren wurden, begegnen einander, schätzen einander und entdecken, dass es zu ihrer universellen menschlichen Verantwortung gehört, auch für Menschen in Not an anderen Orten einzustehen.“
Wie wichtig dieser Zusammenhalt angesichts globaler Krisen ist, fasste Nicolás Rosenthal zusammen. Er machte deutlich, dass internationale Partnerschaft von der gemeinsamen Überzeugung getragen wird: „Wir sitzen alle in einem Boot und können uns nur gemeinsam retten. Wir können zeigen, dass eine andere Welt möglich ist, wenn wir uns in Liebe und nicht im Hass zusammenschließen.“