Armenien: Kennenlernbesuch des GAW

Jugendgottesdienst in Baghramjan. Foto: ECA

Vom 24. bis zum 31. Juli 2024 besucht Enno Haaks, Generalsekretär des GAW, erstmalig die Evangelische Kirche in Armenien (EKA). Die Kirche ist bisher keine Partnerkirche des GAW, wurde jedoch in den Krisensituationen seit 2020 – vor allem wegen des Konflikts in Arzach/Bergkarabach – mehrfach unterstützt aus den Fonds Nothilfe und Hilfe für bedrängte und verfolgte Christen. Der Besuch dient dem besseren Kennenlernen der Kirche und ihrer Verantwortlichen. Der Vorstand des GAW überlegt, der Delegiertenversammlung des GAW 2024 die Aufnahme der EKA als eine neue Partnerkirche vorzuschlagen.

Die Evangelische Kirche in Armenien wurde am 1. Juli 1846 in Konstantinopel gegründet. Sie entstand aus einer Reformbewegung innerhalb der Armenischen Apostolischen Kirche sowie durch den Einsatz von amerikanischen, dänischen, deutschen und schweizerischen Missionsorganisationen. Die Missionarinnen und Missionare leisteten einen wichtigen Beitrag für die Bildung für beide Geschlechter und die Gründung von Schulen, Krankenhäusern und Waisenhäusern. Die EKA war im Osmanischen Reich offiziell als protestantische Gemeinde anerkannt.

Bis zum Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 hatte die EKA im gesamten Osmanischen Reich vier Kirchenbezirke mit 137 Kirchen, 179 Pastoren, 13 891 Mitgliedern sowie 51 000 Sympathisantinnen und Sympathisanten. Die Kirche unterhielt 34 weiterführende Schulen, sieben Hochschulen und drei Priesterseminare. Der Völkermord und die daraus resultierende Flucht der Armenier führten zur Gründung von Diasporagemeinden weltweit.

In Ostarmenien ließ die russische Regierung jedoch bis zum frühen 20. Jahrhundert die Aktivitäten evangelikaler Prediger offiziell nicht zu. Deshalb gab es in diesem Gebiet nur Untergrundgemeinden und keine offiziell anerkannte Religionsgemeinschaft. Zwischen 1820 – 1890 waren Schamachi/ Şamaxı und Arzach/Karabach (heute jeweils in Aserbaidschan) die Zentren der armenischen Evangelischen im Kaukasus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde schließlich Jerewan zum Zentrum des evangelischen Lebens in Ostarmenien. 1914 konnte die Armenische Evangelische Ararat-Union mit dem Zentrum in Jerewan offiziell gegründet werden.

Die Evangelische Kirche in Armenien hat derzeit 22 Gemeinden in verschiedenen Regionen des Landes mit 1 450 Mitgliedern sowie zahlreiche Sympathisantinnen und Sympathisanten. Einige Gemeinden haben eigene Gebäude, während andere sich in gemieteten Räumlichkeiten treffen. Darüber hinaus gibt es sieben Zentren für christliche Bildung und Kinderprogramme. Die EKA hat elf ordinierte Pfarrer und zehn Prediger. Durch ihre Kinder- und Jugendprogramme erreicht die Kirche mehr Menschen, als sie tatsächliche Mitglieder hat.

Die Kirche engagiert sich infolge der Vertreibung der armenischen Bevölkerung aus Arzach/Bergkarabach stark in der Flüchtlingsarbeit. Aufgrund dieser Situation besteht ein hoher Bedarf an humanitärer Hilfe sowie an Renovierung von kirchlichen Gebäuden.

Die Evangelische Kirche in Armenien ist Teil der Armenischen Evangelischen Weltgemeinschaft, bis jetzt aber kein Mitglied der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen.

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