Gustav-Adolf-Werk e.V. Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland (GAW)
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20. Februar 2006

An die Kirchen , kirchliche Institutionen und Entscheidungsträger in der Bundesrepublik sowie an die Haupt- und Frauengruppen des Gustav-Adolf-Werks

 


Kommunique der Arbeitsgemeinschaft der Frauenarbeit im GAW zur Frage der Zwangsprostitution anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 - verfasst auf der Jahrestagung der AG der Frauenarbeit vom 16.-18. Februar 2006

Die Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk e.V. Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland hat sich bei ihrer Jahrestagung mit Zwangsprostitution beschäftigt. Sie verurteilt die Zwangsprostitution als Menschenrechtsverletzung aufs schärfste. Die Diskussion über Zwangsprostitution anläßlich der Weltmeisterschaft muß eine nachhaltige Bekämpfung dieses Verbrechens zur Folge haben. Nicht nur die Strafverfolgungsbehörden, sondern die Gesellschaft und die Kirchen sind aufgerufen, dieses Verbrechen mit geeigneten Maßnahmen zu verhindern und zu bekämpfen und es nicht bei der Konstatierung zu belassen oder zu resignieren. Wir unterstützen darum die Kampagnen im Raum von Kirche und Diakonie und nehmen, soweit es möglich ist, teil an den Aktionen in den Austragungsorten der Weltmeisterschaft.

Das GAW hat Kontakte zu den evangelischen Kirchen in den Herkunftsländern und kann einen eigenen Beitrag zur Prävention leisten. Viele unserer Mitglieder sind über die soziale und wirtschaftliche Situation gut informiert, zum Teil aus eigener Anschauung: Junge Frauen aus den Herkunftsländern lassen sich anwerben, weil sie das eigene Überleben und vor allem das Überleben ihrer Familie sichern müssen. Auch wenn wir Prostitution nicht als einen Beruf wie alle andern ansehen, maßen wir uns - auch aus diesem Grund - kein Urteil an. Aufs schärfste allerdings verurteilen wir die Umstände, unter denen die Frauen dann arbeiten müssen.

Die Frauenarbeit im GAW bittet die Hauptgruppen in den Landeskirchen, sich über Zwangsprostitution zu informieren und bei ihren Besuchen/Kontakten bei den Partnerkirchen in Polen, Bulgarien, Tschechien, Rumänien, den baltischen Staaten, Rußland, Ukraine etc. die Gefahr anzusprechen, die mit einem vermeintlichen Arbeitsplatz hier verbunden sein kann. Wir bitten die Kirchen vor Ort, sich diesen Fragestellungen zu öffnen und nach Wegen der Bewußtseinsbildung zu suchen. Wir bitten die Kirchen in der Bundesrepublik, die gegebenenfalls dazu nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit Prävention ein Erfolg gemeinsamer Anstrengung der Kirchen wird.

Die Frauenarbeit im GAW hat besonders enge Kontakte zu verantwortlichen Frauen in den Kirchen der Herkunftsländer. Die Fragestellungen von Prostitution und Zwangsprostitution sind dort tabuisiert. Gehandelte Frauen müssen nach ihrer Rückkehr schweigen, um nicht ausgegrenzt und noch einmal zum Opfer gemacht zu werden. In der Bundesrepublik Deutschland sind diese Themen durch Gesetzgebung und die Arbeit der Beratungsstellen öffentlich geworden. Wir streben an, bei Kontakten und gemeinsamen Tagungen vermehrt auf diese Problematik hinzuweisen. Gemeinsam in der Solidarität von Frauen und zusammen mit den Verantwortlichen in den Kirchen wollen wir um Menschlichkeit und für Achtung und Respekt auch für die Frauen kämpfen, die ihre Gewalterfahrungen verschweigen müssen.

Das Verbrechen der Zwangsprostitution wäre nicht möglich ohne die Nachfrage. Das Geschäft mit dem Sex boomt und die Freier kommen aus allen Schichten der Bevölkerung. Viele von ihnen nehmen dabei die Dienste von Zwangsprostituierten in Anspruch. Prostitution ist im Raum von Kirche und Gesellschaft weitgehend ein Tabu-Thema. Die Empörung über Zwangsprostitution reicht nicht. Wer will, kann darüber Bescheid wissen und seinem Wissen Taten folgen lassen. Wir können es nicht hinnehmen, daß die Kennzeichen von Zwangsprostitution nicht aufgezeigt und ernstgenommen und die Freier aus ihrer Verantwortung für die Frauen entlassen werden. Es darf nicht sein, daß Freier (aus Gleichgültigkeit, Hilflosigkeit oder Scham) nicht reagieren und keine Hilfe holen, wenn sie einer Frau begegnen, die von Menschenhandel betroffen ist. Angebliches oder tatsächliches Nichtwissen schützt nicht davor, an einer schweren Menschenrechtsverletzung mitschuldig zu sein..

Die Frauenarbeit im GAW bittet deshalb die Kirchen in der Bundesrepublik, unabhängig von der ethischen Beurteilung von Prostitution auf eine Sensibilisierung der Männer hinzuarbeiten. Wir schließen uns den Forderungen des Deutschen Frauenrates an und verweisen auf die Hotline des Diakonischen Werkes der EKD, die in Kürze eingerichtet wird.


Gustav-Adolf-Werk e.V.
hilft beim Gemeindeaufbau, bei der Renovierung, beim Kauf und beim Neubau von Kirchen und Gemeinderäumen, bei sozialdiakonischen und missionarischen Aufgaben in den Gemeinden, bei der Aus- und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern u.a.;
Hauptarbeitsgebiete Europa, Lateinamerika und Nordasien;
getragen von bundesweit 25 Hauptgruppen und 17 Frauengruppen; ältestes evangelisches Hilfswerk in Deutschland, gegründet 1832 in Leipzig

 
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