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Kommunique der Arbeitsgemeinschaft der Frauenarbeit im
GAW zur Frage der Zwangsprostitution anlässlich der Fußballweltmeisterschaft
in Deutschland 2006 - verfasst auf der Jahrestagung der AG der Frauenarbeit
vom 16.-18. Februar 2006
Die Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk e.V. Diasporawerk der Evangelischen
Kirche in Deutschland hat sich bei ihrer Jahrestagung mit Zwangsprostitution
beschäftigt. Sie verurteilt die Zwangsprostitution als Menschenrechtsverletzung
aufs schärfste. Die Diskussion über Zwangsprostitution
anläßlich der Weltmeisterschaft muß eine nachhaltige
Bekämpfung dieses Verbrechens zur Folge haben. Nicht nur die
Strafverfolgungsbehörden, sondern die Gesellschaft und die
Kirchen sind aufgerufen, dieses Verbrechen mit geeigneten Maßnahmen
zu verhindern und zu bekämpfen und es nicht bei der Konstatierung
zu belassen oder zu resignieren. Wir unterstützen darum die
Kampagnen im Raum von Kirche und Diakonie und nehmen, soweit es
möglich ist, teil an den Aktionen in den Austragungsorten der
Weltmeisterschaft.
Das GAW hat Kontakte zu den evangelischen Kirchen in den Herkunftsländern
und kann einen eigenen Beitrag zur Prävention leisten. Viele
unserer Mitglieder sind über die soziale und wirtschaftliche
Situation gut informiert, zum Teil aus eigener Anschauung: Junge
Frauen aus den Herkunftsländern lassen sich anwerben, weil
sie das eigene Überleben und vor allem das Überleben ihrer
Familie sichern müssen. Auch wenn wir Prostitution nicht als
einen Beruf wie alle andern ansehen, maßen wir uns - auch
aus diesem Grund - kein Urteil an. Aufs schärfste allerdings
verurteilen wir die Umstände, unter denen die Frauen dann arbeiten
müssen.
Die Frauenarbeit im GAW bittet die Hauptgruppen in den Landeskirchen,
sich über Zwangsprostitution zu informieren und bei ihren Besuchen/Kontakten
bei den Partnerkirchen in Polen, Bulgarien, Tschechien, Rumänien,
den baltischen Staaten, Rußland, Ukraine etc. die Gefahr anzusprechen,
die mit einem vermeintlichen Arbeitsplatz hier verbunden sein kann.
Wir bitten die Kirchen vor Ort, sich diesen Fragestellungen zu öffnen
und nach Wegen der Bewußtseinsbildung zu suchen. Wir bitten
die Kirchen in der Bundesrepublik, die gegebenenfalls dazu nötigen
finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit Prävention
ein Erfolg gemeinsamer Anstrengung der Kirchen wird.
Die Frauenarbeit im GAW hat besonders enge Kontakte zu verantwortlichen
Frauen in den Kirchen der Herkunftsländer. Die Fragestellungen
von Prostitution und Zwangsprostitution sind dort tabuisiert. Gehandelte
Frauen müssen nach ihrer Rückkehr schweigen, um nicht
ausgegrenzt und noch einmal zum Opfer gemacht zu werden. In der
Bundesrepublik Deutschland sind diese Themen durch Gesetzgebung
und die Arbeit der Beratungsstellen öffentlich geworden. Wir
streben an, bei Kontakten und gemeinsamen Tagungen vermehrt auf
diese Problematik hinzuweisen. Gemeinsam in der Solidarität
von Frauen und zusammen mit den Verantwortlichen in den Kirchen
wollen wir um Menschlichkeit und für Achtung und Respekt auch
für die Frauen kämpfen, die ihre Gewalterfahrungen verschweigen
müssen.
Das Verbrechen der Zwangsprostitution wäre nicht möglich
ohne die Nachfrage. Das Geschäft mit dem Sex boomt und die
Freier kommen aus allen Schichten der Bevölkerung. Viele von
ihnen nehmen dabei die Dienste von Zwangsprostituierten in Anspruch.
Prostitution ist im Raum von Kirche und Gesellschaft weitgehend
ein Tabu-Thema. Die Empörung über Zwangsprostitution reicht
nicht. Wer will, kann darüber Bescheid wissen und seinem Wissen
Taten folgen lassen. Wir können es nicht hinnehmen, daß
die Kennzeichen von Zwangsprostitution nicht aufgezeigt und ernstgenommen
und die Freier aus ihrer Verantwortung für die Frauen entlassen
werden. Es darf nicht sein, daß Freier (aus Gleichgültigkeit,
Hilflosigkeit oder Scham) nicht reagieren und keine Hilfe holen,
wenn sie einer Frau begegnen, die von Menschenhandel betroffen ist.
Angebliches oder tatsächliches Nichtwissen schützt nicht
davor, an einer schweren Menschenrechtsverletzung mitschuldig zu
sein..
Die Frauenarbeit im GAW bittet deshalb die Kirchen in der Bundesrepublik,
unabhängig von der ethischen Beurteilung von Prostitution auf
eine Sensibilisierung der Männer hinzuarbeiten. Wir schließen
uns den Forderungen des Deutschen Frauenrates an und verweisen auf
die Hotline des Diakonischen Werkes der EKD, die in Kürze eingerichtet
wird.
Gustav-Adolf-Werk e.V.
hilft beim Gemeindeaufbau, bei der Renovierung, beim Kauf und beim
Neubau von Kirchen und Gemeinderäumen, bei sozialdiakonischen
und missionarischen Aufgaben in den Gemeinden, bei der Aus- und
Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
u.a.;
Hauptarbeitsgebiete Europa, Lateinamerika und Nordasien;
getragen von bundesweit 25 Hauptgruppen und 17 Frauengruppen; ältestes
evangelisches Hilfswerk in Deutschland, gegründet 1832 in Leipzig

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