Neubau eines Gemeindezentrums in Stâna, Rumänien
Am 1. Februar 1914 fand in der reformierten Schule in Stâna (ungarisch: Sztána) ein rauschendes Fest statt: Ein Faschingsball, organisiert vom Stararchitekten und Schriftsteller Károly Kós, mit dem Schriftsteller Zsigmond Móricz als Ehrengast. Móricz wurde bei diesem Fest zu seinem Roman „Ohne Musik kann ich nicht leben“ inspiriert.
Im Vergleich zu damals geht es im heutigen Stâna gemächlicher zu. Das Dorf liegt abseits in der Region Tara Cǎlatei. Keine asphaltierte Straße führt in den Ort. Der Bahnhof ist drei Kilometer vom Dorfzentrum entfernt. Es gibt keinen Kindergarten und keine Schule, deshalb müssen die Kinder pendeln. Ebenso die Erwachsenen, die nicht von der eigenen Landwirtschaft leben können oder wollen. Von den 600 Einwohnern im Jahr 1914 sind nur 160 übriggeblieben.
Trotzdem ist Stâna weit davon entfernt, ein aussterbendes Dorf zu sein. Dabei hat das entstehende Gemeindezentrum keine unbedeutende Rolle.
Der erste Schritt wurde 2001 gemacht. Drei Tage lang fand im Dorf wieder ein Faschingsball statt. Inzwischen sind diese Bälle schon zur Tradition geworden – und brachten so viele Einnahmen, dass davon die Dorfstraße ausgebessert und ein neues Ortsschild angefertigt werden konnten.
„Der Erfolg dieser Veranstaltungen brachte mich auf den Gedanken, unsere alte Schule zu renovieren“, erzählt Pfarrer Hunor Papp von der reformierten Gemeinde. Aus der Renovierung wurde allerdings nichts. Die Schule hatte sich lange Jahre im Staatseigentum befunden. Als die Gemeinde sie endlich zurückerstattet bekam, blieb nur noch der Abriss. Drei Wochen lang werkelten die Gemeindeglieder an dem baufälligen Gebäude, dann waren die Mauern abgetragen. 2006 wurde der Grundstein für das neue Gemeindezentrum gelegt. „Von Anfang an haben die Gemeindeglieder an den Bauarbeiten teilgenommen. Ohne ihren Einsatz wären wir immer noch nicht so weit. Die Einnahmen der Menschen im Dorf sind zu klein, als dass sie große Spenden leisten könnten“, erklärt der Pfarrer. Einfallsreichtum war gefragt. Spenden zum Bau kamen aus der Partnergemeinde in den Niederlanden, aus einer Vortragsreise des Pfarrers in Kanada, durch die Aktion „Kauf einen Ziegel“ und natürlich durch die Faschingsbälle..
Seit 2009 kann das Gemeindezentrum schon teilweise benutzt werden. Im großen Saal finden Gottesdienste statt, Ausstellungen und Kinderveranstaltungen – und natürlich die Faschingsbälle. „Unsere Kirche ist im Winter nicht beheizbar, der neue geheizte Saal war uns ein wirklicher Segen“, freut sich Hunor Papp mit seiner Gemeinde. „Und durch die Eröffnung der Arztpraxis müssen die Menschen nicht mehr auf den beschwerlichen Wegen in die Stadt fahren, wenn sie krank sind.“
Die reformierte Gemeinde hat aber noch mehr mit dem Gemeindezentrum vor. Mit der Fertigstellung der Gästezimmer im ersten Sock und im Dachgeschoss soll der Tourismus im Dorf angekurbelt werden. Schon jetzt findet jeden Sommer ein Künstlerlager statt, dank dem es neue geschnitzte Orientierungstafeln und Wegweiser für Touristen gibt. Zu besichtigen gibt es genug: Die sanften Hänge, an denen Kornelkirschen wachsen, das Panorama mit dem Blick auf die Burgruine Almási, die Kassettendecke der reformierten Kirche, die Volkstrachten, die auch heute noch von Frauen und Mädchen an Festtagen getragen werden. Und natürlich die Krähenburg Vajúvár, das Haus des Architekten Károly Kós in Stâna, sowie andere von ihm errichtete Gebäude.
Das Gemeindehaus hat schon jetzt dem Leben in dem abgeschiedenen Dorf einen wichtigen Anschub gegeben und wird, wenn es fertiggestellt ist, etwa drei Familien ein Einkommen ermöglichen. Helfen Sie mit, dass das Gemeindezentrum bald ganz in Betrieb genommen werden kann!