Die Gemeinde „Nueva Jerusalén“ bietet Kindern eine warme Mahlzeit, Hilfe bei Hausaufgaben und Orientierung
Bolivien ist eines der ärmsten Länder in Südamerika. In den Anden liegen viele große Städte bis zu 4 000 Meter hoch. Das ist über tausend Meter höher als die Zugspitze in Deutschland. La Paz ist mit einer Höhe von 3 600 Meter der am höchsten gelegene Regierungssitz der Welt. Je ärmer die Menschen in einer Stadt sind, desto höher auf dem Berg wohnen sie.
El Alto zum Beispiel liegt 4 100 Meter über dem Meeresspiegel auf einem Hochplateau über La Paz. Ursprünglich haben sich die Elendsviertel der Stadt La Paz hierher verlagert, inzwischen hat El Alto mit seinen rund zwei Millionen Einwohnern La Paz überholt.
Die meisten Bewohner von El Alto sind Indigene, vorwiegend Aymara, die vom Land in die Stadt siedeln und die sich keinen Wohnraum im klimatisch angenehmeren La Paz leisten können. Die Menschen leben in einfachen Häusern aus Lehmziegeln. Sie verdienen ihr Geld mit verschiedenen schlecht bezahlten Jobs und einfacher Feldarbeit.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bolivien hat in El Alto elf Gemeinden. Sie befinden sich in der Regel am Stadtrand, wo die größte Armut, Unterernährung bei Kindern, soziale und häusliche Gewalt herrschen. Die Betreuung und die Erziehung der Kinder werden zur Nebensache, weil die Eltern keine Zeit für sie haben.
„Politiker reagieren nicht auf die Bedürfnisse und Nöte der Menschen. Deshalb müssen wir als Kirche sehen, was wir tun können, und unsere Rolle im Dienste der Gemeinschaft finden“, umreißt Pfarrer Cristobal Alejo Fernandez die Aufgaben, die vor seiner Kirche stehen.
Die evangelische Gemeinde „Nueva Jerusalén“ in El Alto hat einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Sie bietet den sich selbst überlassenen Kindern eine warme Mahlzeit, Hilfe bei den Hausaufgaben und christliche Orientierung an. Die Kinder aus der Umgebung haben das Angebot angenommen, an manchen Tagen schauen mehr als 100 Kinder vorbei, um zu essen und zu lernen. Die Gemeinde betreut die Kinder in Zusammenarbeit mit einem christlichen Hilfswerk. Die Gehälter für die Mitarbeiter werden vom Hilfswerk gezahlt, die Gemeinde muss die Räumlichkeiten stellen.
Mit Unterstützung des Gustav-Adolf-Werks (Projektkatalog 2008) hat die Gemeinde „Nueva Jerusalén“ eine kleine Kirche errichtet. Jetzt möchte sie einen Raum an ihre Kirche anbauen, damit die Kinder Platz zum Lernen und Spielen haben.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche Boliviens (IELB)
Die Kirche ist aus nordamerikanischer Missionsarbeit ab 1938 hervorgegangen. Im Jahr 1972 wurde sie selbstständig. Heute zählt sie rund 20 000 Mitglieder in 120 Gemeinden, 26 ordinierte Pastoren sowie mehr als 100 Laienpastoren und Evangelisten. Alle Pfarrer und Pfarrerinnen der lutherischen Kirche sind ehrenamtlich tätig und arbeiten für das eigene Überleben in einem zweiten Beruf zum Beispiel als Schuhmacher, Schreiner, Ingenieur oder Staatsangestellte.