Ein Mann schützt sich mit einer Atemschutzmaske vorm Ascheregen.
Der Ascheregen des chilenischen Vulkans Puyehue beeinträchtigt auch das Leben im Süden Argentiniens.

Projekt des Monats August 2011

Anhaltender Ascheregen in Südargentinien / Evangelische Gemeinde in San Martin de los Andes betroffen

Seit 1997 arbeitet Rainer Kalmbach im Süden Argentiniens als Pfarrer der Evangelischen Kirche am La Plata. Seine Diasporagemeinde reicht vom Rio Negro bis hinunter nach Feuerland und umfasst praktisch ganz Patagonien. Das Gebiet der Gemeinde ist größer als Mitteleuropa. Reiner Kalmbach: „Das bedeutet, dass ich ständig unterwegs bin – jeden Monat ungefähr 6 000 Kilometer mit dem Auto.“

Der Hauptsitz der Gemeinde befindet sich in Allen, im Tal des Rio Negro, einem der größten Obstanbaugebiete der Welt. Hier gibt es eine evangelische Kirche, ein evangelisches Gästehaus und hier unterhält die Gemeinde ein Altenheim mit 28 Betten, in dem alte, sozial schwache Menschen leben. Ursprünglich für ältere Gemeindemitglieder gedacht, ist es heute ein zu Hause für Menschen aller ethnischen und religiösen Hintergründe. Jedes Jahr arbeiten auch zwei Freiwillige aus Deutschland im Altenheim. Die gesamte diakonische Arbeit muss über Spenden finanziert werden, da der argentinische Staat die Kirchen nicht unterstützt.

Ein weiteres Zentrum der Gemeinde ist San Martin de los Andes. Die 25 000-Einwohner-Stadt liegt 540 Kilometer südöstlich von Allen in einem beliebten argentinischen Wintersportgebiet.  Die Mitglieder der kleinen Missionsgemeinde in San Martin de los Andes treffen sich in Privaträumen, träumen aber von einem eigenen Gemeinderaum – als Treffpunkt und als sichtbares Zeichen des Gemeinde-Seins.

Vor kurzem konnte die Gemeinde ein günstiges Grundstück kaufen, hat selbst gespart und auch das Gustav-Adolf-Werk (GAW) in Deutschland um Unterstützung gebeten. In diesen Tagen wollte die Gemeinde mit dem Bau ihres Gemeinderaumes beginnen. Doch auf einmal ist alles anders. San Martin de los Andes und die gesamte Region liegen unter einer etwa einen halben Meter dicken Ascheschicht begraben. Seit Anfang Juni spuckt der chilenische Vulkan Puyehue Asche. Die Erde kommt nach dem schweren Beben in Chile im Februar 2010 nicht zur Ruhe. Immer wieder brechen Vulkane aus, bebt die Erde. Von der mächtigen Aschewolke des Puyehue ist vor allem Argentinien betroffen, doch auch in Südafrika und Australien führte sie schon zu Ausfällen im Luftverkehr.

In San Martin de los Andes und der gesamten betroffenen Region sind bereits mehr als eine Million Schafe verendet, weil das Gras mit Asche zugedeckt und das Wasser vergiftet ist. Die Region lebt vom Tourismus, eigentlich sollte jetzt die Skisaison beginnen. Doch statt von Schnee ist alles mit Asche bedeckt. Feiner Aschenebel trübt die Luft und behindert die Sicht. Reiner Kalmbach, der trotz der Asche regelmäßig in San Martin de los Andes ist: „Die Situation ist schlimm. 5 000 Arbeitsplätze sind allein in San Martin de los Andes schon verloren gegangen.“ So musste beispielsweise auch eine Familie, die zur Gemeinde gehört und von der Vermietung ihrer fünf Ferienbungalows lebt, ihren Betrieb schließen.

Die evangelische Gemeinde in San Martin de los Andes hat indes einer Genossenschaft von Kleinbauern 5 000 Euro gespendet für den Kauf dringend benötigter Futtermittel. 5 000 Euro, das ist ungefähr die Hälfte des Geldes, das die Gemeinde für den Bau ihres Gemeinderaumes angespart hatte und dessen Grundsteinlegung wegen des Ascheregens verschoben ist. Wann der Bau beginnen kann ist ungewiss.

Das Gustav-Adolf-Werk e.V. (GAW) unterstützt das Projekt der Gemeinde in San Martin de los Andes jetzt umso intensiver. Irgendwann hört der Ascheregen auf, wird aufgeräumt und dann soll die Gemeinde ihren Gemeinderaum bauen können – um sich zu treffen, um auf Gottes Wort zu hören und um trotz des eigenen Mangels solidarisch zu sein mit anderen.